Just-in-Time Teaching

Beim Just-in-Time Teaching (JiTT) geht es zum einen darum, das Lehrende frühzeitig Verständnisprobleme ihrer Studierenden erkennen und zum anderen, dass Studierende Erlerntes reflektieren und so selbst auf Lücken erkennen. Mit „Just-in-Time“ werden oft zwei verschiedene Phasen des Lernprozesses in Bezug auf einer Veranstaltung gemeint und zwar:

  • den Zeitraum während einer Lehrveranstaltung und
  • den Zeitraum vor (in Vorbereitung auf) eine/r Lehrveranstaltung

Mit Ersterem sind Methoden gemeint, die ein reflexives Arbeiten während der Veranstaltung anregen. Hier können das Peer Instruction oder das Think-Pair-Share in Kombination mit Tools wie TurningPoint Clicker oder Online-Alternativen (z.B. Pingo, ARSnova) zum Einsatz kommen. Ziel ist es, den vorherigen Lernabschnitt zu reflektieren und Verständnisprobleme aufzuzeigen und zu diskutieren.

Die zweite Variante, die, wenn wir uns die praktischen Beispiele (siehe Video) ansehen, eher als „Just-in-Time Teaching“ verstanden wird, setzen schon bei der Vorbereitung auf die Lehrveranstaltung an. Die Studierenden müssen kurz vor der Veranstaltung auf Grundlage ihres bisher erlernten Wissens kleine Selbsttests, in der Regel online, bearbeiten. Die Lehrenden sehen sich vor Veranstaltungsbeginn die Ergebnisse der Selbsttests an und können dann in der Veranstaltung auf die möglichen Problemfelder eingehen.

Welche Motivation haben nun Studierende, diese Tests, sofern sie nicht verpflichtend sind, durchzuführen? Intrinsisch gesehen bieten die Tests den Lernenden eine Überprüfung ihres Wissensstands zum jeweiligen Thema und somit eine bessere Vorbereitung auf die Veranstaltung und die spätere Klausur. Weiterhin können sie damit rechnen, dass die Lehrenden bei größeren Problemen dies in der folgenden Veranstaltung aufgreifen. Es zeigt sich jedoch in der Praxis, dass eine intrinsische Motivation oft für eine größere und dauerhafte Beteiligung der Studierenden nicht ausreicht. Daher setzen viele Lehrende zusätzlich auf eine extrinsische Motivation, indem sie Bonuspunkt für die Klausur vergeben oder die Teilnahme Voraussetzung für die Klausur ist.

Eine kleine Auswertung der Teilnahme im Rahmen einer Lehrveranstaltung zu Mathematik Grundlagen im Studiengang Technisches Informationsdesign und Technische Redaktion an der HsH zeigt folgendes Bild. Das Just-in-Time Teaching wurde in einem Inverted Classroom eingebettet. Die Studierenden mussten sich über einen Zeitraum von ca. 14 Tagen mit der Lernumgebung viaMINT auf die jeweilige Veranstaltung vorbereiten und bis zum Vortrag 12:00 Uhr einen kleinen Test mit vier Fragen im Moodle-Kursraum zur Veranstaltung beantworten. Die Teilnahme war freiwillig und es gab keine Bonuspunkte für die Klausur.

Aus der folgenden Abbildung zeigt sich, das jeweils etwas über 60% aller Studierenden der beiden Kohorten durchschnittlich an den Veranstaltungen im Wintersemester 17/18 sowie im Wintersemester 18/19 teilgenommen haben. Während jeweils in den ersten beiden JiTT-Tests mehr Studierende als die durchschnittliche Teilnahme ausdrückt, am Test teilgenommen und ihn abgeschlossen haben, waren es beim dritten und vierten bzw. 18/19 beim

dritten bis fünften Test weniger Studierende. Dieser negative Trend zeigt sich auch bei Beispielen aus anderen Hochschulen und Universitäten. Hier stellt sich die Frage, inwieweit extrinsiche Faktoren die Motivation zur Teilnahme erhöht bzw. welche anderen Möglichkeiten es gibt. Dies möchte ich in einem späteren Beitrag aufgreifen und diskutieren!

Haben Sie Interesse an der Methode Just-in-Time Teaching bekommen, sprechen Sie mich gerne an. Sie können sich zu einem weiteren Überblick auch das Video zum Just-in-Time Teaching ansehen.