Lernmodule erstellen und einsetzen III – Konzeption eines Lernmoduls Teil 1: Bildungsziele und Zielgruppe

In meinem ersten Beitrag habe ich eine Begriffsklärung vorgenommen und die verschiedenen Lern-Objekte eingeordnet. Im zweiten Beitrag wurden Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt. Im dritten Beitrag möchte ich mich mit der eigentlichen Erstellung von Lernmodulen beschäftigen und dabei im ersten Schritt mit der Konzeption. In einem weiteren Beitrag werden dann Tools zur Erstellung beispielhaft vorgestellt. Bei der Konzeption digitaler Lernangebote müssen vier Punkte berücksichtigt werden und zwar:

  • Bildungsziele und Zielgruppe
  • Lehr-/Lernziele und Inhalte
  • Strukturierung des Lernangebotes
  • Mediale Aufbereitung und Gestaltung

Da das Thema Konzeption von Lernmodulen sehr umfangreich ist, wird sich dieser Beitrag mit den Bildungszielen und der Zielgruppe beschäftigen.

Bildungsziele und Zielgruppe

Unter dem Begriff Bildungsziel fasse ich nicht nur die eigentliche Zielsetzung, also welches Lernziel/Lernergebnis möchte ich mit dem digitalen Angebot erreichen, sondern auch die Fragen, welche Funktionen im Lernprozess übernehmen die Lernmodule und welche Vorteile bietet ein E-Learning Arrangement gegenüber dem klassischen Lehrangebot. Für die Akzeptanz und Motivation der Lernenden, ist es wichtig, in der Analyse die Vorteile herauszuarbeiten und sie später transparent darzustellen. Können aus der Analyse keine Vorteile des E-Learnings gegenüber dem klassischen Lehrangebot herausgearbeitet werden, sollte der Einsatz nochmals überdacht werden.

Bei der Frage nach der Funktion des Lernmodules geht es darum, welche didaktischen Aufgaben das digitale Lernangebot übernimmt und wie es in den Lehr-/Lernprozess (Virtualisierungsgrad, Beitrag: Lernmodule II) eingebettet ist. Handelt es sich um eine Anreicherung des Lehrangebotes, geht es oft um digitale Übungen zur Lehrveranstaltung, die der Wissensvertiefung dienen. Die hauptsächliche Wissensvermittlung findet dann weiter in der Präsenzveranstaltung statt. Übernimmt das Lernmodul Teile der Wissensvermittlung, z.B. im Rahmen eines Inverted Classrooms, handelt es sich um die Integration der digitalen Elemente in den Lehrprozess. Je nach Integrationsgrad sind höhere Anforderungen an das Lernmodul zu stellen im fachlichen und didaktischen Sinne, da der Prozess der Wissensaneignung in die Selbstlernphase der Studierenden verlagert wird und Kommunikationspotentiale wie in der Präsenzphase nicht gegeben sind. Prozesse der Kommunikation müssen dann – wenn gewünscht – konzeptionell im Lernprozess verankert werden (virtuelle Lerngruppen, Betreuung durch E-Tutoren, begleitende Forendiskussionen usw.). Auf der Ebene der vollständigen Virtualisierung des Lehrangebots müssen die Kommunikations- und Feedbackebenen noch stärkere Berücksichtigung finden. Während in der Präsenzphase die Lehrperson flexibel und zeitnah auf den Lernprozess der Lernenden reagieren kann, müssen Schwierigkeiten aller Art um so stärker konzeptionell berücksichtigt werden, je höher der Virtualisierungsgrad.

Welche Vorteile bietet der Einsatz von Lernmodulen? In der Präsenzlehre findet die Inhaltsvermittlung klassischerweise in der Lehrveranstaltung statt und der Einsatz von Lernmodulen scheint geringe Vorteile zu bringen. Aber auch hier gibt es viele sinnvolle didaktische Einsatzmöglichkeiten. Nehmen wir z.B. die Methode des Inverted Classrooms. Bei dieser Methode geht es darum, die eigentliche Wissensvermittlung aus der Lehrveranstaltung herauszunehmen und im Rahmen eines angeleiteten Selbststudiums der Veranstaltung vorzulagern. Die Veranstaltung selbst dient der Wissensvertiefung und -erweiterung. Beim Inverted Classroom werden oft Vorlesungsaufzeichnungen den Studierenden als Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt. Ein Lernmodul bietet jedoch mehr Möglichkeiten, indem z.B. Übungen zum Lerninhalt kombiniert werden und so den Studierenden die Möglichkeit zur Überprüfung und Vertiefung geboten werden kann.

In berufsbegleitenden weiterbildenden Studiengängen wird der Vorteil von Lernmodulen deutlicher. Hier spielt der zeitliche und räumliche Faktor eine größere Rolle und damit das Selbststudium. Damit bewegen wir uns jedoch auf der Ebene einer höheren Integration bis zur vollständigen Virtualisierung und müssen, wie oben schon gesagt, die Möglichkeiten der Kommunikation und des Feedbacks zwischen Lehrenden und Lernenden stärker berücksichtigen. Das heißt, welche Instrumente zur Hilfestellung sind mit dem Lernmodul verbunden, wie erhalten die Lernenden ein Feedback, ob und wie sie die erarbeiteten Inhalte richtig anwenden. Diese Frage wird bei der didaktischen Strukturierung wieder aufgegriffen.

Zielgruppe und Lernsituation

Für die Konzeption und den Einsatz von Lernmodulen spielen die folgenden Faktoren eine besondere Rolle:

  • Soziodemographische Merkmale
  • Vorwissen
  • Lernmotivation: intrinsisch oder extrinsisch
  • Lerndauer (zur Verfügung stehende Lernzeit)
  • Erfahrungen mit E-Learning und selbständigem Lernen
  • Lernorte und Medienzugang

Je genauer diese Daten ermittelt werden können, desto besser können Lernmodule in der Konzeption auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Bei den soziodemographischen Merkmalen geht es um Daten wie Größe der Zielgruppe, geographische Verteilung, Geschlecht, Alter sowie schulischer und/oder beruflicher Hintergrund. Hier schließt gleich das Vorwissen an, da die Lehrinhalte und -methoden auf das Vorwissen aufbauen. So kann z.B. bei größerem Vorwissen das Lernmodul eher explorativ (selbstgesteuert) gestaltet werden und bei geringerem Vorwissen sollte es sequenziell (einem Lernpfad folgend) aufgebaut sein. Sollte die Zielgruppe bei dem Vorwissen sehr heterogen sein, müsste ein Lernmodul beide Formen ermöglichen.

Dies gilt auch für die Lernmotivation. Intrinsisch motivierte Personen werden bei einer sequenziell aufgebauten Lernstruktur eher demotiviert, während für extrinsisch motivierte Personen ein gut strukturierter Lernpfad wichtig ist. Lerngewohnheiten (Lerntyp) und individuelle Lernzeiten sind schwierig zu erfassende Merkmale der Zielgruppe, was auch durch Erfahrungen mit vorangegangenen Jahrgängen nur teilweise aufgefangen werden kann. Jeder Jahrgang bringt unterschiedliche Lehrsituationen hervor, auf die jeweils neu und flexibel eingegangen werden muss.  Um Problemen hierdurch vorzubeugen, sollten bei der Konzeption von Lernmodulen die unterschiedlichen Lerntypen berücksichtigt werden. In der Praxis haben sich einige Gestaltungsregeln bewährt. Das heißt, der Einsatz von unterschiedlichen, dem Inhalt angepassten, Lernmedien in den Modulen, wobei kleine abgeschlossene Module zu bevorzugen sind, die nicht länger als 30 Minuten Lernzeit benötigen. In dieser Lernzeit sollten Interaktivitäten eingeschlossen sein. Eine längere Lerndauer verringert möglicherweise die Aufnahmefähigkeit und erhöht die Gefahr, dass die Lernenden die Lerneinheit ab- bzw. unterbrechen und so der Lernerfolg verringert wird.

Vorerfahrungen mit selbstgesteuertem und internetbasiertem Lernen können nicht in jedem Fall erwartet werden. Hier können über Fragebogen Informationen z.B. bei der Immatrikulation abgerufen und entsprechend Unterstützungsangebote bereitgestellt werden. Das Thema Lernorte und Medienzugang hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Der Medienzugang hat sich verbessert, es ist jedoch noch nicht generell zu erwarten, dass allen Lernenden eine gute Internetverbindung zur Verfügung steht. Ein Punkt der in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt ist die Frage des mobilen Lernens, also die Nutzung von mobilen Endgeräten wie Tablets oder Smartphones. Dies sollte in der Medienproduktion berücksichtigt werden, worauf ich im Beitrag zur medialen Aufbereitung und Gestaltung eingehen werde.

Im nächsten Beitrag geht es um die Lehr-und Lernzielgestaltung sowie um die Strukturierung des Lernangebotes.

Literatur

Kerres, M. Multimediale und telemediale Lernumgebungen: Konzeption und Entwicklung, 2. Auflage, Oldenburg Verlag München/Wien, 2001, Seite 138ff

Frie, C.: Präsentation zum Workshop Entwicklung von E-Learning-Modulen: Konzeption und Umsetzung mit dem Autorentool eXeLearning, Niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung NLQ (ehemals NILS), Hildesheim, 20.11.2008