Lernmodule erstellen und einsetzen II – Einsatzmöglichkeiten

Im ersten Beitrag habe ich die Definition E-Content vorgestellt. Im zweiten Teil möchte ich der Frage nach den Einsatzmöglichkeiten nachgehen. Im Rahmen der Erstellung von Lernmodulen ist dies neben der Zielgruppenanalyse die wesentliche Grundlage für die Konzeption von Lernmodulen, da die Einsatzart Inhalt, Umfang und begleitende Infrastruktur beeinflußt.

virtualisierungsgrad
Abbildung 1: Virtualisierungsgrad

Im obigen Bild wird der Virtualisierungsgrad als Einordnung für die Digitalisierung der Lehre zwischen Präsenzlehre und Onlinelehre dargestellt. (Bildquelle: http://wiki.llz.uni-halle.de/Virtualisierungsgrad) Anhand dieser drei Stufen möchte ich die Einsatzmöglichkeiten skizzieren.

Anreicherung: In dieser Stufe geht es im wesentlichen um Präsenzlehre. Digitale Medien werden hier als Ergänzung zur Vorlesung z.B. zur Wiederholung und Klausurvorbereitung eingesetzt. Die eingesetzten Lernmodule dienen daher eher zu Übungszwecken. Als Lernmodul eignet sich eine Zusammenstellung von kurzen Wiederholungen wichtiger inhaltlicher Aspekte mit kleinen Tests zur Übung. Die mittlerweile oft eingesetzten Vorlesungsauzeichnungen haben zwar auch einen Wiederholungseffekt, sind jedoch aus meiner Sicht, entsprechend der Definition aus dem ersten Beitrag, kein Lernmodul.

Integration: Je weiter wir auf unserer Skala im Bereich der Integration kommen, desto eher können wir von Blended Learning sprechen und desto wichtiger werden didaktisch gut aufbereitete Lernmodule. Im optimalen Sinne sprechen die Lernmodule die unterschiedlichen Lerntypen mit einer Kombination von visuellen, auditiven und interaktiven Lernelementen an. Da bei einem Blended Learning die Selbstlernkomponente einen höheren Stellenwert hat, muss das Lernmodul mehr Unterstützungsmöglichkeiten in inhaltlicher, aber auch technischer und organisatorischer Hinsicht anbieten.

Eine aus meiner Sicht gute Methode ist das Konzept des Inverted Classroom. Mit einem Lernmodul können sich die Lernenden das inhaltliche Wissen aneignen und in der Präsenzveranstaltung wird dieses durch entsprechende Übungen vertieft. Bezogen auf mathematische Grundlagen könnte die Lernplattform viaMINT mit ihren inhaltlichen Lernmodulen eine gute Basis für den Selbstlernteil darstellen.

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Abbildung 2: viaMINT

Die viaMINT (https://viamint.haw-hamburg.de) Themenmodule bestehen aus einer Kombination von Lernvideos und Übungen. Zum Start werden jeweils die Lernziele dargestellt. Abgerundet werden die Module durch eine Zusammenfassung und eine Abschlussübung bzw. einen Test. Zusätzlich gibt es zu den verschiedenen Themen, Formelsammlungen, Lerntexte, Applets zur vertiefenden Übung und weitere Übungen. Die Module haben zwar einen sequenziellen Aufbau, die Lernenden müssen jedoch nicht das gesamte Lernmodul durchlaufen, sondern über die Video- bzw. Inhalteleiste können sie zu einzelnen Videos, Übungen etc. springen. Die Themenmodule entsprechen daher unserer Definition eines Lernmoduls.

Virtualisierung: Bei einem hohen Vrtualisierungsgrad bis hin zu reiner Onlinelehre müssen in Lernmodulen oder im eingebetteten Rahmen weitere Unterstützungsmöglichkeiten enthalten sein. Bei viaMINT finden wir z.B. neben dem inhaltlichen Lernmodul noch die Modulmaterialien mit der Möglichkeit weiteres Lernmaterial zur Verfügung zu stellen.

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Abbildung 3: Ressourcenliste
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Abbildung 4: Glossar

Mit dem Tool StoryLine2 von Articulate können z.B. zu den Inhaltsseiten über eine Ressourcenliste (Abbildung 3) weitere Lernmaterialien über Links oder Dateien dem jeweiligen Inhalt zugeordnet werden. Weiterhin kann ein Glossar für wichtige Begriffe und Inhalte (Abbildung 4) erstellt werden. Weitere Lernunterstützung z.B. über Diskussionsforen sind in der Regel nicht direkt im Lernmodul sondern in der Lernumgebung integriert.

Entsprechend dem Virtualisierungsgrad steigt der Erstellungsaufwand für Lernmodule, wobei sich dies nicht nur auf die technische Erstellung sondern besonders auf die didaktische Konzeption bezieht.