Ist die Hochschule fit für 4.0?

Unter dem Titel „Industrie 4.0 – Welche Herausforderungen stellen sich für die Lehre?“ fand am 26. Mai 2016 ein Workshop mit Lehrenden der Hochschule Hannover (HsH) statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, was Industrie 4.0 für die Studierenden der Hochschule bzw. für die Kompetenzen/angestrebten Lernergebnisse der verschiedenen Studiengänge bedeutet.

Im Zuge der so genannten vierten industriellen Revolution wachsen IT- und Produktionstechnologie weiter zusammen. Fast alle (Dienstleistungs-)Branchen werden durch die Entwicklung mittelfristig ebenfalls die Geschäftsmodelle verändern. Damit ändern sich auch die Anforderungen für die Beschäftigten und für die Studierenden. Die Mehrzahl der Studiengänge an der HsH ist in diesen Prozess involviert.

Welche Auswirkungen hat Industrie 4.0 auf die Arbeitswelt? Hierzu gibt es erste Antworten, aber auch noch offene Fragen. Unstrittig ist, dass die Aufgaben traditioneller Produktions- und Wissensarbeiter weiter zusammenwachsen. Noch weitgehend unklar ist, ob es z.B. zu einer Erosion bisher anspruchsvoller Aufgaben in der Systemüberwachung kommt und nur begrenzt qualifizierte Überwachungstätigkeiten bleiben.

Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Niemann aus der Fakultät I – Elektro- und Informationstechnik der HsH erklärte, dass Industrie 4.0 kein einzelnes Lehrfach ist, sondern einen interdisziplinären Ansatz erfordert. Dieser müsse in verschiedenen Fächern des Curriculums berücksichtigt werden, insbesondere in der Automatisierungstechnik, der Produktionsplanung und der Informatik. Auch ein fakultätsübergreifendes Denken sei notwendig, wie es in der von Herrn Niemann initiierten Modellfabrik praktiziert werden soll. Prof. Dr.-Ing. Robert Patzke aus der Fakultät I riet zu einer kritischen Betrachtung von Industrie 4.0.angesichts praktischer Erfahrungen mit Sachzwängen bei der anwendenden Industrie. Prof. Dr.-Ing. Paul Diersen aus der Fakultät II – Maschinenbau und Bioverfahrenstechnik hat mit seinem Labor „Digitale Fabrik und Produktentwicklung“ und den Arbeitsschwerpunkten „Konstruktion und Produktentwicklung“, „Fertigungsplanung und Simulation“ sowie „Monitoring und Assistenzsysteme“ das Thema Industrie 4.0 bereits praxisnah umgesetzt. Frau Dr.-Ing. Christiane Rudlof aus dem Ressort ZSW – Studium und Lehre wies darauf hin, dass die rein technische Perspektive auf Industrie 4.0. zu kurz greife. Industrie 4.0 sei auch als soziotechnisches System zu gestalten, d.h. dass das Zusammenspiel von Technik, Organisation und Mensch berücksichtigt werden müsse. Dies beinhalte die wachsende Bedeutung der Mensch-Maschine-Schnittstelle in cyber-physischen Systemen, bei der Mensch-Roboter-Kollaboration, bei Assistenzsystemen sowie der Nutzung von Web 2.0-Technologien und dem Einsatz mobiler Arbeitsmittel. Zudem müssten die Aspekte der Arbeitsgestaltung beachtet werden. Im Anschluss zeigte Frau Rudlof auf, was Ministerien, Institutionen und Verbände zu Industrie 4.0 und Kompetenzentwicklung veröffentlichten. Immer wieder sind hierbei die Aussagen zu finden, dass neben technologischem Know-how und organisatorischen Fähigkeiten insbesondere das inter- und transdisziplinäre Denken und Handeln gefragt ist, ebenso wie das Denken in vernetzten soziotechnischen Systemen. Aber auch Notwendigkeiten wie prozesssensibles Handeln, Verständnis für Mensch-Maschine-Interaktion, Umgang mit Informationskomplexität oder virtuelles Modellieren werden angemerkt. Deutlich wird dies auch in Forderungen wie

  • “shift toward design thinking instead of production thinking“
  • „to think across business models, production processes, machine technology and data-related procedures“.

Im Workshop diskutierten die Lehrenden darüber, ob Industrie 4.0 auch für Curricula der Hochschule Hannover neue Kompetenzen und Lehrinhalte/-methoden erfordert. Einigkeit herrschte darüber, dass bereits in diese Richtung gearbeitet wird, es jedoch auch noch viel  Potenzial gibt. Dies betrifft zum Beispiel die passenden Prüfungsformen. Aus diesem Grund ist nun ein erstes fakultätsübergreifendes Lehrprojekt in Planung. Dieses soll unter anderem die Frage im Focus haben, welche speziellen Kompetenzen erforderlich sind, um erfolgreich über die Disziplinen hinweg zusammenzuarbeiten und kommunizieren zu können. Interessierte können sich bei Herrn Prof. Dr.-Ing. Nils Waldt aus der Fakultät II via Telefon -1316, via E-Mail: nils.waldt@hs-hannover.de melden.

Außerdem folgt im Wintersemester eine fakultätsübergreifende Ringvorlesung zum Thema Industrie 4.0. Wer Interesse hat, daran mitzuwirken, nimmt bitte zu Prof. Dr.-Ing.  Paul Diersen via Tel. -1330 oder E-Mail: paul.diersen@hs-hannover.de Kontakt auf.

Für weitere Rückfragen zum Thema Industrie 4.0 steht Ihnen Frau Dr.-Ing. Rudlof (Tel. – 3736, E-Mail: christiane.rudlof@hs-hannover.de) gerne zur Verfügung.